UNESCO bangt wegen Finanzkrise um Bildung der Ärmsten PDF Drucken

Dienstag, 2. Februar 2010

Die weltweite Finanzkrise gefährdet die Bildung von Millionen von Kindern in den ärmsten Ländern der Welt: Weil Regierungen ihre Budgets für Entwicklungshilfe kürzen, drohten jährlich 16 Milliarden Dollar zu fehlen, warnte die UNESCO am Dienstag in Bern.

"Die Fortschritte der letzten zehn Jahre sind gefährdet", sagte Clementina Acedo, Bildungsverantwortliche der UNESCO, bei der Vorstellung des diesjährigen Weltbildungsberichts. Derzeit könnten etwa 143 Millionen Kinder und Jugendliche keine Schule besuchen. Setzten sich die aktuellen Trends fort, seien es in fünf Jahren immer noch 56 Millionen.

Damit würde ein Millenniumsziel der UNO deutlich verfehlt: Dieses sieht vor, dass bis 2015 alle Kinder Zugang zu unentgeltlicher und hochwertiger Grundschulbildung haben. Zu dem dafür geschaffenen UNESCO-Projekt "Bildung für alle" bekannten sich im Jahr 2000 am Weltbildungsforum in Senegal 164 Länder.

"Viele Länder werden das Ziel klar verfehlen", sagte Acedo. Das habe schwere Konsequenzen: wirtschaftliches Wachstum, Abbau der Armut und Fortschritte in der Gesundheitsversorgung würden stagnieren. "Bildung ist der Schlüssel im Kampf gegen materielle und immaterielle Armut", sagte Carlo Santarelli vom Schweizer Netzwerk für Bildung und internationale Zusammenarbeit (RECI).

Der Bericht kritisiert, dass Regierungen die Ungleichheiten im Bildungssystem nicht bekämpfen und dass Geberländer ihre versprochenen Gelder nicht bezahlen. Letzteres geschieht umso mehr, seit die Wirtschaft schlecht läuft. "Das ist inakzeptabel, wenn man bedenkt, wie grosse Summen sehr schnell aufgebracht wurden, um den Bankensektor zu stabilisieren", kritisierte Santarelli.

Immer noch unerreicht bleibt zudem - trotz Fortschritten - die Chanchengleichheit zwischen den Geschlechtern, heisst es im Bericht. Weltweit sind zwei Drittel der 759 Millionen Analphabeten Frauen.

Auch Schweiz kritisiert

Auch die Schweiz sei gefordert, bemängelte die UNESCO. Sie setze nur knapp sechs Prozent der bilateralen Hilfe für die Bildung ein, während sie dafür im Inland fast 19 Prozent der öffentlichen Ausgaben einsetze.

Zudem müsse die Schweiz ihre öffentliche Entwicklungshilfe umgehend auf 0,5 Prozent des Bruttoinlandeinkommens erhöhen, wie das Parlament dies vom Bundesrat bisher vergeblich verlangt hatte.

Martin Dahinden, Chef der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), beklagte in Bern, dass "wir insgesamt nicht so weit sind bei der Armutsbekämpfung, wie wir sein wollen." Ob die Schweiz das Millenniumsziel erreiche, sei unklar.

Die Schweizer Entwicklungshilfe habe in den letzten zehn Jahren rund 2,5 Millionen Menschen erreicht, sagte Dahinden. Dabei sei es wichtig, dass mit dem Geld Ausbildungen vermittelt werden könnten, die mit der bisherigen Arbeit der Betroffenen vereinbar seien.

Gutes Zeugnis für die Schweiz

In dieser Hinsicht stellte Joséphine Ouedraogo von der Entwicklungsorganisation Enda Tiers Monde der Schweiz ein relativ gutes Zeugnis aus.

Viele Geberländer leisteten jedoch Entwicklungshilfe, die nicht mit den Bedürfnissen vor Ort übereinstimmen, kritisierte die ehemalige Ministerin aus Burkina Faso den Bericht. Mehr Fingerspitzengefühl sei gefragt: "Die Geber interessieren sich zu wenig für die Geschichte unserer Gesellschaft."

Der Bericht, der UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon auffordert, eine hochrangige Geberkonferenz einzuberufen, wird am Mittwoch an einer Tagung in Bern weiter diskutiert.

Quelle: SDA

 

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